Den Schwung vom Dienstag nach Saarbrücken mitnehmen

Freitag, 19.00 Uhr: 1. FC Saarbrücken TT – TTF Liebherr Ochsenhausen 

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel und in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) geht es zurzeit Schlag auf Schlag. Die Leistung der TTF gegen Mühlhausen passte von hinten bis vorne, man hat sich nicht in einem Zitterakt aus der Krise gespielt, sondern mit einem souveränen Auftritt gezeigt, dass man nichts verlernt hat. Es hat wochenlang unter der Oberfläche geschlummert, war aber nie weg – das Potenzial der jungen Truppe aus Oberschwaben.

Straffer Spielplan

Mit Feiern war nichts drin, dazu ist der TTBL-Spielplan einfach zu straff. Dies liegt maßgeblich an der neuen internationalen Turnierstruktur WTT. In die Zeitfenster, in denen die Spieler nicht rund um den Globus zu reisen haben, müssen eben möglichst viele Punktspiele gepackt werden, um den Ligabetrieb im Profibereich überhaupt durchziehen zu können. Und so günstig wie zuletzt, als die WTT-Turniere in Düsseldorf ausgetragen wurden, liegen die Lokalitäten eben nur selten. Meist geht es nach Übersee, vornehmlich nach Fernost.

Saarbrücken auch ohne Shang Kun extrem erfolgreich

Folglich müssen auch die TTF am Freitag gleich wieder an den Tisch und die Aufgabe könnte kaum schwieriger sein. Man gastiert zum Rückspiel in Saarbrücken beim frischgebackenen Pokalsieger und aktuellen Ligazweiten, der sechs Punkte mehr auf dem Konto hat als Simon Gauzy und Kollegen. Bei jenem FCS, bei dem Patrick Franziska inzwischen so konstant gut spielt, dass kaum einer den weiter in seiner chinesischen Heimat verweilenden vormaligen Leistungsgaranten Shang Kun vermisst. 18:2 lautet die aktuelle Ligabilanz des Weltranglisten-17. Franziska – einen Platz ist er derzeit über Gauzy notiert, gefühlt ist der Unterschied aber größer. Was nicht heißt, dass man den Pokalhelden von Neu-Ulm, der im Finale den Düsseldorfern Källberg und Karlsson keinen Stich ließ, nicht mal erwischen könnte, wenn alles optimal läuft. So wie es etwa dem Mühlhausener Ovidiu Ionesco im Cup-Halbfinale gelang.

Dies könnte auch das Ziel der TTF am Freitag sein, sollte es ihnen gelingen, den Rückenwind vom Dienstag mitzunehmen, nämlich Franziska ein Match abzunehmen. Der Rest des Saarbrücker Trios ist nämlich eigentlich zu stark, um ein 0:2 gegen die Nummer eins zu kompensieren. Besonders der 23-jährige Slowene Darko Jorgic, aktuelle Nummer 22 der Welt. Seine TTBL-Bilanz von 11:6 ist fast zu schlecht gemessen an seinem Leistungsvermögen. Und dann spielt Jorgic zusammen mit dem Tschechen Tomas Polansky auch noch ein gutes Doppel. Polansky (23 Jahre, WRL Platz 139) ist mit 5:9 in den Einzeln notiert und somit der einzige relative Schwachpunkt des Teams und dennoch nicht einfach so im Schongang zu besiegen. Es bleibt also dabei: Ein Punkt sollte gegen Frontmann Franziska erspielt werden, wenn man an der Saar etwas reißen will.

Sieg und Niederlage im bisherigen Saisonverlauf

So wie im Hinspiel Ende August, als die TTF zu Hause den Saarländern eine von bisher drei Saisonniederlagen beibrachten. Doch man muss es gleich dazu sagen: Das 3:1 für die Ochsenhauser Asse wurde maßgeblich durch das Fehlen Franziskas begünstigt, auch wenn es aller Ehren wert war, wie sich etwa ein Kanak Jha gegen Jorgic behauptete. Im Pokal-Achtelfinale sechs Wochen später war dann der deutsche Nationalspieler, der lange im Schatten von Boll und Ovtcharov stand, inzwischen aber mit diesen auf Augenhöhe ist, dabei und es gab eine für die TTF bittere 1:3-Niederlage an der Saar. Lediglich ein Sieg von Samuel Kulczycki gegen Polansky stand am Ende auf der Ochsenhauser Habenseite.

So oder so: Die TTF haben sich im Kampf um die Play-off-Plätze zurückgemeldet. Gelingt in Saarbrücken ein Überraschungscoup, wären das absolute Bigpoints, klappt es nicht, bleiben immer noch sieben Partien, um die Sache perfekt zu machen. Kein Grund also zur Aufregung, alles ist noch möglich.

„Wir sind sehr froh, dass der Knoten gegen Mühlhausen geplatzt ist und die Jungs sich für die harte Arbeit mit einem Sieg belohnen konnten“, so TTF-Cheftrainer Fu Yong. „Nun wollen wir gegen Saarbrücken schauen, was möglich ist, und auch dort angreifen. Wir wollen mit der gleichen Einstellung versuchen, den Pokalsieger zu ärgern.“