„Es bereitet oftmals auch Schmerzen, große Ziele zu erreichen“ – Interview mit Kristijan Pejinovic 

Angesichts der sportlichen Situation nach der knappen Niederlage in Bergneustadt – die TTF können noch die Play-offs erreichen, liegen aber mit mehreren Konkurrenten in einem Kopf-an-Kopf-Rennen – haben wir ein Gespräch zur Lage mit TTF-Präsident Kristijan Pejinovic geführt.

Herr Pejinovic, die TTF sind mit 12:0 Punkten in die Saison gestartet und die Euphorie war groß, jetzt stehen sie bei 20:16 und haben um die Qualifikation für die Play-offs schwer zu kämpfen. Was ist geschehen, was hat zu dieser Situation geführt?

„Es ist nichts Fatales geschehen – wir haben vieles gut gemacht und haben phasenweise über unserem Niveau aufgespielt. Was wir erreicht haben, hat viele überrascht und die Euphorie war meines Erachtens zu groß. Wir hatten in der Vorrunde lange einen Lauf, wir waren mental oft stark und das Glück war auf unserer Seite und zum Rückrundenstart eben nicht mehr.

Wir konnten lange Zeit den Abgang von Hugo Calderano kompensieren, was erstaunlich war. Nun vermissen wir die 15:1-Bilanz von ihm und dies wirkt sich natürlich auf unserem Punktekonto aus. Das Team war nämlich das komplett identische aus der Saison 2020/21 in der Hinrunde, nur eben ohne Hugo – der aktuellen Nr. 3 der Welt! Dies zu kompensieren, passiert nun mal nicht „über Nacht“.

Die vier jungen Spieler inklusive Can Akkuzu haben nicht mal ein Durchschnittsalter von 21, was hier für noch fehlende Erfahrung spricht. Diese Erfahrung werden sie erst mit der Zeit erhalten um dann eventuell irgendwann in die „Fußstapfen“ eines Hugo Calderano hineinzuwachsen. Zudem musste ein Can Akkuzu in der Rückrunde erst in die Bundesliga reinfinden. Auch dies ist ein Prozess. Es ist ihm erfreulicherweise bisher gut gelungen.“ 

Wie bewerten Sie die bisherigen Leistungen der Spieler? Wer hat schon einen deutlichen Sprung gemacht, wer hinkt noch hinterher? Weshalb konnte selbst ein Leitwolf wie Simon Gauzy bisher nur knapp positiv spielen?

„Die Spieler haben sich alle weiterentwickelt und sind vereinzelt auch über ihr Limit gegangen. Was wir immer wieder verkennen ist, dass alle Spieler noch jung sind, aber bereits jetzt eine große Verantwortung im Team übernehmen müssen. Hier müssen sie nun reinwachsen, wie es damals eben auch für Hugo, Simon oder Jakub der Fall war.

Simon hat die meiste Verantwortung auf seinen „Schultern“ was neu für ihn ist – die Jahre zuvor hatte er mit Hugo ein „Tag Team“ bilden können und so wurde diese Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt. Ebenso hatte er leider eine zu kurze Pause nach Olympia, die sich nun bemerkbar macht. Nicht zu vergessen die ganzen weiteren Einsätze bei EM, WM, WTT, nationale Meisterschaften etc.“ 

Wie steht es um die Verletzung von Simon Gauzy? Ein erfahrener Spieler wie er wäre ja sicher sehr wichtig für das Team in der heißen Endphase der Punktrunde.

„Er hatte bereits zwei Untersuchungen und es handelt sich hierbei um keine ernste Verletzung. Er wird schnell wieder im Court stehen können. Unsere Aufgabe muss es aber sein, dass die gesamte Mannschaft in den kommenden Spielen das Maximum abruft und nicht nur der „Leitwolf“.“ 

Was kann man jetzt tun, um den Spielern den Rücken zu stärken, damit der Stress nicht übermächtig wird in den ausstehenden Spielen? Denn ohne eine gewisse Lockerheit lassen sich wichtige Siege ja auch nicht erzielen. Was kann der Verein unternehmen, dass auch die Köpfe frei werden? Gutes Training ist sicher das A und O, aber das ist ohnehin gegeben. Was kann man noch tun?

„Die Spieler benötigen eine gewisse Ablenkung neben dem Training und den Spielen. Man muss Zeit für Gespräche finden, um die Köpfe frei zu machen und ihnen dabei helfen, den Blick nach vorne zu richten. Wie schon oft erwähnt, ist die Mannschaft in einem Prozess – dieser benötigt Zeit, Geduld und Verständnis. Die Spieler müssen in ihre Rollen reinwachsen und sich ihrer Pflicht wie auch ihrer Verantwortung im und für das Team bewusst werden. Auch dies geschieht leider nicht von heute auf morgen.“ 

Die Chance auf die Play-offs ist ja noch gegeben, vier ausstehende Partien werden über alles entscheiden. Sind Sie optimistisch, dass es noch gelingt, das große Saisonziel einzutüten?

„Wir sind immer optimistisch – sonst würden wir diese Philosophie nicht leben und lieben. Aber wir sind auch realistisch – das heißt, wir werden sehen, ob das Team in der Lage ist, das erwähnte Maximum abzurufen. Sie können sich noch selbst belohnen, aber, wie wir alle wissen, bereitet es oftmals auch Schmerzen, große Ziele zu erreichen.“ 

Sollte es tatsächlich aber nicht gelingen, würde dies das Team und den Verein als Ganzen zurückwerfen oder wäre das aufzufangen und würde nichts am Konzept ändern?

„Natürlich ändert dies nichts an unserer Philosophie. Wir werden sehen, wie sich das Team entwickelt und sind auch momentan in den letzten Gesprächen für die neue Saison. Das Ergebnis der kommenden Partien fließt aber nicht in diese Gespräche mit ein. Wir haben ein Ziel und eine Vision vor Augen und müssen schauen, wie wir dieses weiterhin ansteuern und dann auch erreichen können. Wir haben in den letzten zwei Jahren viele Hürden meistern müssen. Darüber müssen wir uns bewusst sein und nun auch ein wenig mit Stolz zurückblicken.“