Japans Champion kommt nach Ochsenhausen: TTF verpflichten Shunsuke Togami

Eigentlich wollten die TTF Liebherr Ochsenhausen mit fünf Spielern im Kader die Saison 2022/23 bestreiten, nachdem die Vertragsverlängerungen mit Simon Gauzy, Kanak Jha und Samuel Kulczycki ebenso unter Dach und Fach waren wie die Verpflichtung von Alvaro Robles – Can Akkuzu steht ohnehin noch unter Vertrag und Maciej Kubik wurde an Grenzau ausgeliehen.
Doch nun ergab sich die unerwartete Gelegenheit, zusätzlich einen Topspieler aus Japan zu verpflichten. Die TTF haben diese beim Schopf gepackt und den 20-jährigen Shunsuke Togami, Sieger der All Japan Championships 2022 und aktuelle Nummer 43 der Weltrangliste, für die kommende Spielzeit unter Vertrag genommen. Somit wird man zu sechst die Umsetzung der Saisonziele Play-offs und Liebherr Pokal-Finale in Angriff nehmen.
Im Land der aufgehenden Sonne ist es seine Top-Nachricht, wenn der Gewinner der “Championships” in die deutsche Bundesliga (TTBL) nach Ochsenhausen wechselt. Auch wenn Asse wie Tomokazu Harimoto und Yukiya Uda im internationalen Ranking derzeit vor Togami notiert sind, gilt dort der Champion als die eigentliche Nummer eins – zumal alle starken Konkurrenten beim diesjährigen Turnier vertreten waren und gegen Togami das Nachsehen hatten. So etwa Koki Niwa beim chancenlosen 0:4 im Halbfinale oder der ebenfalls in der Bundesliga bekannte Kenta Matsudaira beim 2:4 im Endspiel.

Vorfreude auf Deutschland, Ochsenhausen und die Bundesliga
“Tag für Tag wird die Vorfreude, nach Deutschland zu gehen, größer”, sagt Shunsuke Togami in einem aktuellen Interview mit dem populären japanischen Konno-Tischtennis-Magazin. “Klar möchte ich mein Tischtennis verbessern, aber aktuell lerne ich Englisch und denke, dass es für die Zukunft am Besten ist, wenn ich mich sprachlich auch im Ausland verständigen kann. Ich möchte eines Tages den japanischen Tischtennis-Fans nach der Erfahrung in Deutschland einen noch stärkeren Shunsuke Togami zeigen!”
Der künftige TTF-Akteur kennt Ochsenhausen und seine neuen Teamkollegen gut. Zusammen mit Uda weilte er bis 2019 mehrfach dort zu Lehrgängen im Zuge der Partnerschaft des Vereins mit dem japanischen Verband und war begeistert von den Trainingsmöglichkeiten und -perspektiven in der oberschwäbischen Tischtennis-Hauptstadt. Danach erschwerte zwar die Pandemie die internationalen Auftritte der Spieler, doch Togami präsentierte sich in Topform. “Ich freue mich sehr darauf, für die TTF aufzuschlagen und mit den tollen Jungs eine starke Saison zu spielen”, so der junge Japaner. “Ebenso freue ich mich auch auf das anspruchsvolle und qualitativ hochwertige Training und hoffe, dass ich mich ähnlich weiterentwickeln kann wie während meiner ersten Zeit in Ochsenhausen.”

Nummer 1 der Welt im Doppel
Der sehr schnell und dynamisch angreifende 1,70 Meter große Rechtshänder, der auch als begnadeter Doppel-Spieler gilt, konnte bei den letzten Asien-Meisterschaften auf ganzer Linie überzeugen. Bei den Asian Table Tennis Championships im Herbst 2021 in Doha sicherte sich Togami nicht nur die Bronze-Medaille im Herren-Einzel sowie, mit dem japanischen Nationalteam, im Mannschaftswettbewerb, sondern gewann zudem sowohl Gold im Doppel als auch im Mixed. Im Doppel siegte er gemeinsam mit Yukiya Uda, mit dem er auch aktueller Titelgewinner der All Japan Championships ist. Die beiden stellen die Topformation im internationalen Tischtennis und thronen mit gigantischem Vorsprung einsam an der Spitze der Doppel-Weltrangliste.
Auch in der stark besetzten japanischen T-League, in der Togami aufschlug, erspielte er klar positive Bilanzen. Seine letzten sechs Matches gewann er allesamt, unter anderem gegen die Ex-Bundesliga-Asse Koki Niwa, Mizuki Oikawa und Masataka Morizono.

“Eine Chance, die man nicht verstreichen lassen konnte”
“Shunsuke war in den intensiven Jahren der Kooperation mit dem japanischen Verband vor Corona ja schon oft hier am LMC zusammen mit Uda zur Ausbildung”, erläutert TTF-Präsident Kristijan Pejinovic. “Es hat ihm bei uns sehr gut gefallen und er wollte immer mal für Ochsenhausen spielen. Damals hatte es sich nicht ergeben und durch Corona trat dann erst einmal Stillstand ein. Ende letzten Jahres meldete er sich wieder bei uns und es ging für mich auch darum, einen weiteren Topmann für das Training hier in Ochsenhausen zu gewinnen.”  Als klar wurde, dass er tatsächlich als Japans Nummer eins – durch seinen Sieg bei den All Japan Championships ist er das – fest nach Ochsenhausen kommen und hier leben und trainieren kann und dies auch unbedingt möchte, wurde es, so Pejinovic, zu einer interessanten Angelegenheit, “denn wir wollen natürlich die Trainingsqualität der Gruppe wieder erhöhen, nachdem auch hier infolge der Einreisebeschränkungen durch Corona nicht mehr alles optimal ablaufen konnte.” Als Togami dann anfangs 2022 auch äußerte, dass er nicht nur in Ochsenhausen trainieren, sondern am liebsten auch für die TTF spielen möchte, hat man sich zwei Monate intensiv damit beschäftigt, wie eine für alle sinnvolle Lösung aussehen könnte, denn eigentlich war ja der Kader schon komplett.
“Wir haben es intern in mehreren Strategie-Meetings besprochen und da hat sich die Variante, tatsächlich zum allerersten Mal ein Sechser-Team auf die Beine zu stellen, immer mehr herauskristallisiert, zumal nach wie vor schwer abzuschätzen ist, wie stark die Beanspruchung der Spieler durch die WTT-Turniere sein wird”, sagt Pejinovic. “Wir haben die Chance wahrgenommen, noch einen sehr starken Spieler zu integrieren, der voll zu unserer Trainingsgruppe stoßen möchte. Da monetäre Fragen auch nicht im Vordergrund standen, sondern der Wunsch des Spielers, sich bei uns weiterzuentwickeln, haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen. Nun haben wir mit Shunsuke Togami sicher etwas mehr als ein Backup gewonnen und freuen uns, ihn mit an Bord zu haben. Ich bin sehr glücklich und zufrieden, dass es sich so ergeben hat. Es war einfach so eine Chance, die man nicht verstreichen lassen konnte.”
Der TTF-Präsident fügt hinzu: “Wir nehmen ja auch keinen “Nobody”, sondern einen Spieler, der mit seinen 20 Jahren schon reichlich internationale Erfahrung gesammelt hat und der außerdem ein einzigartiger Doppel-Spieler ist. Und wir sind schon ein bisschen stolz darauf, dass er wegen des Trainings zu uns kommt und dass er es für sich als Highlight bezeichnet, wenn er auch für uns spielen darf. Wir freuen uns auf ihn und hoffen, dass es tatsächlich für alle ein Highlight wird. Wir sind jedenfalls davon überzeugt, eine gute, sinnvolle Entscheidung getroffen zu haben.”
Aktuell steht der namhafte Neuzugang übrigens im ständigen E-Mail-Kontakt mit Kristijan Pejinovic, nicht zuletzt, um sein Englisch zu verbessern, bevor er in einigen Wochen nach Deutschland kommt. 

Photo Credit: Noby Konno / World Table Tennis Magazin