Keine enttäuschende Saison: Rückblick auf 2021/22

An diesem Wochenende haben die Play-offs um die Deutsche Meisterschaft begonnen. Zu gerne wären die TTF Liebherr Ochsenhausen dabei gewesen, doch sie scheiterten – nachdem sie über weite Strecken der Saison gut auf Kurs gelegen hatten – letztlich hauchdünn und bei Punktgleichheit nur aufgrund des schlechteren Spielverhältnisses an Fulda-Maberzell.

Play-off-Runde knapp verfehlt

Erstmals nach sieben Jahren waren sie nicht unter den vier Topteams, die sich um den Meistertitel duellieren. Das ist schade, zumal die junge Truppe mit 12:0 Punkten furios losgelegt hatten und auch im Schlusspurt nochmals überzeugen konnte – in den letzten drei Spielen, die allesamt gewonnen wurden, hatte sie nochmals richtig Gas gegeben, in der Hoffnung, das große Ziel doch noch zu erreichen. Mit 26:18 Punkten, also 13 Siegen und neun Niederlagen, belegten die Schützlinge von Trainer Fu Yong am Ende den undankbaren fünften Platz.

Tolle Auftritte und einige ärgerliche Niederlagen: Licht und Schatten beim jungen Team

Sehr stark und fokussiert präsentierte sich die junge Mannschaft im Hinspiel gegen den vermutlichen Meisterschaftsfinalisten Saarbrücken (3:1), bei den beiden knappen Derby-Siegen über den TTC Neu-Ulm (jeweils 3:2) oder beim 3:0 vor heimischer Kulisse gegen den späteren Halbfinalisten Mühlhausen. Klubs wie Bad Königshofen und Werder Bremen konnten zweimal geschlagen werden, was keine einfache Übung ist, auch wenn beide früh aus dem Rennen um die Play-offs ausgeschieden waren. Bitter waren die beiden Niederlagen gegen Fulda, mit dem man am Ende ja punktgleich war – besonders das glatte 0:3 zu Hause Mitte Januar war ein heftiger Rückschlag. Überaus ärgerlich war zudem das 1:3, ebenfalls in der Dr.-Hans-Liebherr-Halle, gegen den Tabellenvorletzten Grenzau – diese Niederlage an einem “gebrauchten” Tag im Februar war am Ende nicht mehr auszubügeln. Schon das unglückliche 2:3 in Bergneustadt eine Woche zuvor hatte die TTF vorentscheidend vom Erfolgskurs abgebracht, Grenzau besiegelte es dann.

“Letztendlich war die Chance ja eh nur noch gering nach der Niederlage gegen Grenzau, die richtig weh getan hat”, so Kristijan Pejinovic. Der TTF-Präsident ist als fairer Sportsmann aber auch bereit, die Saisonleistungen der Rivalen anzuerkennen: “Mühlhausen und Fulda-Maberzell, unsere direkten Konkurrenten, haben dann aber auch verdient die Play-offs erreicht.”

Niederlagen wie die gegen Grenzau waren natürlich auch der fehlenden Konstanz der mit einem Schnitt von unter 22 Jahren immer noch jungen Ochsenhauser Mannschaft geschuldet. Ferner den extremen Belastungen der Spieler durch die neuartigen WTT-Turniere, wegen denen sie oft wochenlang in Übersee unterwegs waren und sich dann schwer taten, zu Hause wieder reibungslos in den Bundesliga-Modus umzuschalten.

Das frühe Pokal-Aus im Achtelfinale in der ersten Oktoberhälfte kam nicht unerwartet, schließlich hatte man nicht gerade Losglück gehabt und musste in Saarbrücken, also in der Höhle des Löwen, antreten und sich mit 1:3 geschlagen geben. Dennoch schade, denn das Erreichen des Liebherr Pokal-Finales in Neu-Ulm ist stets eines der großen Saisonziele der Oberschwaben.

Keine verlorene Saison

Natürlich war am Ende eine gewisse Enttäuschung zu verzeichnen, wie immer im Sport, wenn man auf ein Ziel hinarbeitet und es verfehlt. Doch es war alles andere als eine verlorene Saison. Es war vielmehr eine Spielzeit, in der wichtige Erkenntnisse gewonnen und Weichen gestellt wurden, um in Zukunft eben doch wieder den entscheidenden Tick erfolgreicher zu sein, was gleichbedeutend mit den Tickets zu den Topevents der Saison wie Meisterschafts-Play-offs und Liebherr Pokal-Finale wäre.

Drei TTF-Spieler mit positiver Einzel-Bilanz

Immerhin konnten drei Spieler positive Saisonbilanzen verbuchen: Simon Gauzy mit 12:9, Kanak Jha mit 13:12 und der erst in der Rückrunde spielberechtigte Can Akkuzu mit dem herausragenden Resultat von 9:2 – auch das Doppel Kulczycki/Kubik (4:3) schnitt positiv ab. Der 19-jährige Samuel Kulczycki schaffte das im Einzel trotz guter Ansätze nicht ganz (8:10), hat jedoch noch viel Zeit und alle Möglichkeiten, sich zu steigern und an Konstanz zuzulegen. Noch nicht rund lief es bei dem ein halbes Jahr jüngeren Maciej Kubik, der noch kein Einzel gewinnen konnte (0:7) und kommende Saison an den Ligarivalen TTC Zugbrücke Grenzau ausgeliehen wird, wo er – und das ist das Ziel – vermutlich mehr Spielpraxis sammeln kann als in Ochsenhausen. 

Es waren insgesamt in der Spielzeit 2021/22 viele gute Ansätze da, auf denen sich aufbauen lässt. Kommende Saison wird das Team, verstärkt durch den erfahrenen Alvaro Robles, der zum Stabilitätsfaktor werden soll, erneut angreifen und will im nächsten Anlauf unbedingt die Play-offs erreichen und in das Liebherr Pokal-Finale einziehen. So gesehen, kann man 2021/22 als eine Saison der Teambildung und der Lernprozesse verbuchen, die unter dem Strich alle Spieler sicher ein gutes Stück vorangebracht hat.

Kristijan Pejinovic unter dem Strich nicht enttäuscht 

Kristian Pejinovic sieht die Saisonbilanz der TTF nicht als enttäuschend an. “Wir hatten uns zwar die Play-offs zum Ziel gesetzt, waren uns aber auch darüber klar, dass diese durchaus schwer zu erreichen sind. Man darf nicht vergessen, dass wir vor der Saison einen personellen Cut gemacht und unsere Nummer eins Hugo Calderano verloren haben”, erläutert der Vereinspräsident. “Wir sind dann mit einem sehr jungen Team in die Spielzeit gegangen. Gerade die jungen Spieler wie Samuel Kulczycki und Kanak Jha haben einen Sprung nach vorn gemacht und eine gute Bilanz erzielt. Simon Gauzy hat nicht sein bestes Jahr gehabt. Dafür sei aber an seine vergangene Topsaison 20/21 erinnert. Er ist auch nur ein Mensch und darüber hinaus kann auch er kein Spiel allein gewinnen.”

Auch der Führungsspieler wird nach menschlichem Ermessen an Bord bleiben. “Die Tinte ist noch nicht trocken unter Simons Vertrag. Wir wollen mit ihm weiterarbeiten, sind nach wie vor sehr zufrieden mit ihm”, verrät Pejinovic. “Er ist mittlerweile auch eine Identifikationsfigur für den Verein. Vertraglich sind aber noch Feinjustierungen nötig, auch aufgrund der anstehenden internationalen Verpflichtungen, denen er nachkommen muss. Er will grundsätzlich bleiben und wir wollen das auch.”

Somit werden die TTF Liebherr Ochsenhausen aller Wahrscheinlichkeit nach in der Besetzung Simon Gauzy, Can Akkuzu, Kanak Jha, Samuel Kulczycki und Alvaro Robles versuchen, die diesmal noch knapp verfehlten Saisonziele in der Saison 2022/23 zu realisieren.