Liebherr Final-Four am Sonntag: TTF wollen Titelfavorit Neu-Ulm großen Derby-Fight liefern

Lange hat man dem Event entgegen gefiebert, in drei Tagen ist es so weit: In der Neu-Ulmer ratiopharm arena kommt es am Sonntag vor einer Rekordkulisse zum großen Pokal-Showdown. Der erste Titel des Jahres 2023 wird vergeben und vier bärenstarke Bewerber werden alles versuchen, den begehrten Pokal nach Hause zu holen.

Mittendrin die TTF Liebherr Ochsenhausen, deutscher Pokalsieger in den Jahren 2002, 2003, 2004 und 2019, die auf dem Weg zum Liebherr Final Four die Bundesligarivalen Bad Königshofen und Grenzau in souveräner Manier ausgeschaltet haben.

Mit dem Einzug in das spektakuläre Endrundenturnier haben die TTF, nachdem es im Jahr zuvor nicht geklappt hatte, bereits ihr erstes Saisonziel erreicht, somit haben sie beim Final Four eigentlich nichts zu verlieren. Wenn man sich aber unweit der Heimat – zur Halle sind es gerade 50 Kilometer – einem so großen Publikum präsentieren kann, will man natürlich alles versuchen, um sich teuer zu verkaufen und vielleicht eine Duftmarke zu setzen.

Ambitionierter Derby-Gegner als hohe Halbfinal-Hürde

Zumal wenn ein Derby ansteht. Im Halbfinale treffen die Oberschwaben nämlich um 11 Uhr auf den TTC Neu-Ulm, den sie kurz vor Weihnachten in der Bundesliga mit 3:0 geschlagen haben. Doch das bedeutet gar nichts für das große Pokalduell, da der Nachbar aus dem Westen des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben sozusagen ein A- und ein B-Team hat und im Ligaspiel mit den jungen Wilden nur der zweite Anzug zum Einsatz kam. Im Pokal wird man dagegen ein Trio gestandener Weltklassespieler ins Rennen schicken, das mit dem eindeutigen Ziel an die Tische geht, sich den ersten Titel der noch jungen Vereinsgeschichte zu sichern.

Natürlich will man die TTF-Asse „standesgemäß“ aus der Halle schießen, um ins Endspiel einzuziehen. Doch das bis in die Haarspitzen motivierte Quintett von Cheftrainer Fu Yong will das nicht mit sich geschehen lassen. Man möchte mit Herzblut dagegenhalten und vor der grandiosen Kulisse von mehr als 5.000 Menschen, wie sie im Tischtennissport ganz selten ist, ein möglichst gleichwertiger Gegner sein. Gerade wo so viele Tischtennisfreunde aus der Region live dabei sein und aller Voraussicht nach für eine gigantische Stimmung sorgen werden. Die Fans der TTF Liebherr Ochsenhausen werden in einem eigenen Block jeden Punktgewinn und jeden guten Ballwechsel ihrer Lieblinge bejubeln. Und das Team des aktuellen Bundesligadritten setzt auch darauf, dass ein großer Teil des Publikums ihm den Rücken stärkt und es so puscht, dass jeder einzelne Spieler über sich hinauswächst. Natürlich wird der Neu-Ulmer Fanblock lautstark dagegenhalten. Die Atmosphäre wird einzigartig und geradezu elektrisierend sein.

Da wird kein Spieler einen Ball, der irgendwie noch erreichbar sein könnte, verloren geben. Simon Gauzy, Shunsuke Togami, Alvaro Robles, Can Akkuzu und Samuel Kulczycki – alle brennen auf das große Pokalduell und würden zu gerne in der tollen Arena noch ein zweites Spiel erzwingen. Ganz gleich, wen er letztlich an den Tisch schickt – der in den letzten Monaten so starke Kanak Jha kommt aus den bekannten Gründen leider nicht für einen Einsatz in Frage -, kann sich Cheftrainer Fu Yong darauf verlassen, dass jeder seiner Spieler alles in die Waagschale werfen wird. Seine Jungs wollen nicht 100 Prozent, sondern 120 oder gar 150 Prozent an den Tisch bringen – rechnerisch nicht möglich, psychologisch aber schon. Und das wird auch erforderlich sein, da die TTF zunächst einmal als klarer Außenseiter ins Rennen gehen. Dass ein klarer Außenseiter durchaus im Pokal erfolgreich sein kann, schließlich unterliegt gerade der Cupwettbewerb seinen eigenen Gesetzen, mussten die Oberschwaben vor zwei Jahren selbst schmerzhaft erfahren, als sie im Finale überraschend dem „Underdog“ Grünwettersbach unterlagen.

TTC Neu-Ulm: Mit Weltstars zum Titelgewinn?

Die Zielsetzung der Neu-Ulmer ist eindeutig: Man will den Pokalwettbewerb gewinnen und möglichst auch die Champions League. Die Bundesliga genießt in den Planungen nicht die höchste Priorität, sollte man jedoch die Play-offs erreichen, würden dort gewiss die Topstars zum Einsatz kommen – und mit ihnen könnte man gegebenenfalls sogar Düsseldorf vom Thron stürzen. 

Die Neu-Ulmer Topauswahl ist unglaublich stark und besteht aus Weltstars wie dem Deutschen Dimitrij Ovtcharov (Weltrangliste Platz 11), dem Taiwaner Lin Yun-Ju (WRL 8) und dem Schweden Truls Möregårdh (WRL 5). In der Champions League, nicht aber in der Bundesliga und im Pokal, ist ferner der Weltranglisten-Vierte Tomokazu Harimoto (Japan) für die Neu-Ulmer spielberechtigt. Man kann damit rechnen, dass Ovtcharov, Lin und Möregårdh am Sonntag gegen die TTF auflaufen werden – und gegen ein solches Trio hat es jede Mannschaft der Welt höllisch schwer.

Gecoacht wird diese Weltauswahl internationaler Starspieler vom Neu-Ulmer Trainer Dmitrij Mazunov, der bekanntlich vor wenigen Jahren noch Gauzy und Co. trainiert hat und dementsprechend die Stärken und Schwächen der TTF-Spieler gut kennt. Er wird die Neu-Ulmer Asse taktisch gut einstellen. Doch das alles macht den Ochsenhauser Spielern keine Angst, sondern motiviert sie noch mehr. Man bringt dem Gegner Respekt aber keine Furcht entgegen und glaubt an die eigenen Stärken. Wäre das nicht der Fall, wäre man bei einem solchen Cupturnier der Superlative auch fehl am Platze.

Düsseldorf und Saarbrücken kämpfen um den anderen Finalplatz

Während die Ochsenhauser und Neu-Ulmer sich einen sicher heißen Pokalfight liefern, läuft zeitgleich am anderen Tisch das zweite Halbfinale zwischen Rekordmeister und Rekordpokalsieger Borussia Düsseldorf und Titelverteidiger 1. FC Saarbrücken TT. Vor einem Jahr durften nämlich nicht Boll und Co., sondern die Saarländer am Ende jubeln, nachdem sie den Rivalen aus dem Rheinland im Finale mit 3:1 besiegt hatten.

Der Derbygewinner trifft folglich auch im Finale, das um 15 Uhr beginnt, auf einen absoluten Hochkaräter. Sollten den TTF tatsächlich das Kunststück gelingen, sich gegen die Neu-Ulmer Startruppe durchzusetzen, müsste man anschließend erneut über sich hinauswachsen, um nicht wieder unsanft auf den Boden zurückgeholt zu werden. Dabei wäre es nahezu egal, ob man die Düsseldorfer mit Boll und den in letzter Zeit fast noch stärkeren Dang Qiu und Anton Källberg erwischen würde oder das Team von der Saar mit dem Weltranglisten-Neunten Darko Jorgic und dem nur vier Plätze dahinter notierten Patrick Franziska. Doch das wäre erst der Schlussakt. Um diesen eventuell möglich zu machen, müssen zunächst der volle Fokus und alle Konzentration auf das Duell mit Ochtvarov und Kollegen gelegt werden.

„Auf dem Papier klarer Außenseiter“: Ochsenhauser Stimmen vor dem Liebherr Final Four

„Wir haben letzten Freitag wieder mit dem Training angefangen und konnten uns eine gute Woche intensiv auf das Final Four vorbereiten“, so TTF-Trainer Fu Yong. „Wir machen uns gar nicht so viele Gedanken über unseren Derbygegner, sondern konzentrieren uns auf uns selber und unsere Stärken und werden unser Bestes geben, dass die Fans ein tolles Spiel sehen können. Und sollte es noch ein zweites Spiel für uns geben, werden wir auch das voll fokussiert angehen und dann einfach schauen, was dabei herauskommt. Ich freue mich auf das Final Four, es wird ein Erlebnis werden für unsere Jungs, vor so vielen Zuschauern gegen so starke Gegner zu spielen.“

„Ich gehe sehr entspannt in das Final Four“, sagt Simon Gauzy. „Es ist schon mal super, dass wir nach einem Jahr ohne Final Four jetzt wieder dabei sind. Das Niveau beim Turnier wird diesmal unglaublich hoch sein, das wird ein tolles Erlebnis für uns Spieler und die Fans. Wir haben ein tolles Team, sind aber auf dem Papier wahrscheinlich die schwächste der vier Mannschaften. Wenn Neu-Ulm mit seinen Topleuten spielt, sind sie natürlich höllisch stark. Ich hoffe, dass wir unser bestes Niveau erreichen. Wir wollen voll fokussiert an den Tisch gehen und werden dagegenzuhalten versuchen.“

„Auf dem Papier sind wir ganz klarer Außenseiter im Halbfinale gegen Neu-Ulm, da brauchen wir gar nicht drum herum zu reden“, erklärt Kristijan Pejinovic. „Aber solche Wettbewerbe sind auch dazu da, um zu überraschen. Gerade der Pokal hat ja seine eigenen Gesetze.“ Der TTF-Präsident fügt hinzu: „Wir werden natürlich alles probieren, was machbar ist, und sehen, was dabei herauskommt. Unser Gegner ist sicher in Zugzwang, da er unbedingt einen Titel erringen will. Wir können etwas entspannter in die Partie gehen, da wir unser eigentliches Saisonziel im Pokal mit dem Erreichen des Final Four ja schon geschafft haben.“ Pejinovic weiter: „Jetzt wollen wir schauen, ob wir das Erreichte vielleicht noch irgendwie krönen dürfen. Doch es bleibt dabei, wir sind Außenseiter und wollen auf jeden Fall die Atmosphäre in der ausverkauften Arena genießen und sind stolz, dabei sein zu können. Die Fans können sich auf ein tolles Derby freuen.“

Das Liebherr Final Four 2023 im Livestream und im TV

Wer keine Tickets mehr bekommen hat oder einfach zu weit entfernt wohnt, kann alle Partien des Final Four im Livestream auf den Kanälen von Spontent bei Twitch.tv sowie die Highlights als Zusammenfassung auf SPORT1 sehen. Spontent überträgt alles live und in voller Länge im Stream auf Twitch. Die Highlights des Final Four werden zudem in einer 60-minütigen Zusammenfassung im Free-TV auf SPORT1 gezeigt.

Weitere Zusammenfassungen sind in den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern geplant. So gibt es die Highlights auch im ZDF Sportstudio-Format Reportage (Sonntag, ab 17.10 Uhr), in der ARD-Sportschau (Sonntag, ab 19.15 Uhr), den Nachrichtenformaten des SWR sowie in einer 30-minütigen Sondersendung im Saarländischen Rundfunk (Sonntag, ab 18.45 Uhr) zu sehen. 

Halbfinals, ab 11 Uhr


Borussia Düsseldorf – 1. FC Saarbrücken TT (Live auf Spontent)
TTF Liebherr Ochsenhausen – TTC Neu-Ulm (Live auf Spontent) 

Finale, ab 15 Uhr

Sieger Halbfinale 1 – Sieger Halbfinale 2 (Live auf Spontent) 

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