Mund abputzen und gegen Düsseldorf alles geben: Bundesligaklassiker am Freitag in Ochsenhausen

Freitag, 19.00 Uhr: TTF Liebherr Ochsenhausen – Borussia Düsseldorf

Nein, das Mittwochsspiel gegen Bergneustadt war kein Highlight aus Sicht der TTF Liebherr Ochsenhausen. Einige Spieler wirkten kraftlos und übermüdet, nur bei Alvaro Robles war der Akku nicht leer, doch der alleine konnte es auch nicht richten. Am Ende stand eine ernüchternde und eigentlich unnötige 2:3-Niederlage zu Buche, die den Tabellendritten, der zum ersten Mal in der Rückrunde einem Gegner gratulieren musste, im Kampf um die Play-offs zumindest ein Stückchen zurückwirft.

Und ausgerechnet in dieser Phase kommt Rekordmeister und Ligaprimus Borussia Düsseldorf in die Dr.-Hans-Liebherr-Halle, gegen den man eigentlich noch etwas aus dem Hinspiel gutzumachen hätte, in dem man nach wenig erbaulicher Leistung ein glattes 0:3 hinnehmen musste.

Düsseldorf mit allen Stars erwartet

Da die Düsseldorfer, die vier Punkte besser als die TTF in der Tabelle dastehen, zuletzt zweimal gepatzt und mit reichlich Pech gegen Bad Königshofen und Grenzau knapp verloren haben, nehmen auch sie die Partie in Ochsenhausen sehr ernst, um ihre Spitzenposition nicht zu gefährden.

Dementsprechend hat man bereits angekündigt, mit allen Assen anzureisen. Der Weltranglisten-10. Dang Qiu soll spielen, ebenso der Weltranglisten-19. Anton Källberg, einst am Liebherr Masters College gefördert, und als Ersatz – man höre und staune – soll Timo Boll, inzwischen zwar 41 Jahre alt aber immer noch Weltklasse, zur Verfügung stehen, falls Jungstar Kay Stumper noch verletzt sein sollte. So weit sind die Düsseldorfer bereits, dass sie es sich leisten können, Deutschlands Tischtennis-Ikone, aktuelle Nummer 15 der Welt, eher als Backup einzuplanen. Bei jedem anderen Bundesligisten wäre der prominente Odenwälder in jedem Spiel gesetzt. Meist kommt es dann ja doch bei der Borussia so, Boll hat bisher von 15 Saisonspielen immerhin neun mitgemacht. Die Zeichen stehen aber auf eine ganz sachte, allmähliche Wachablösung durch jüngere Spitzenkönner. Schaut man sich die aktuellen Bilanzen an, sprechen diese eine eindeutige Sprache: Boll 10:1, Qiu 9:1, Källberg 11:2, Stumper 8:4.

TTF gehen ohne Druck in den Klassiker

Was sollen die Schützlinge von TTF-Cheftrainer Fu Yong da entgegensetzen, gerade in einem Moment, in dem einige nicht in Topform sind und Sand ins Getriebe geraten ist? Ganz abgesehen von dem Pech mit dem Ausfall von Kanak Jha und dem Umstand, dass Japans Mega-Champion Shunsuke Togami nach seinem neuerlichen Triumph in Tokio noch nicht wieder zurück in Ochsenhausen ist.

Es kann da nur ein ganz einfaches Rezept geben: Was war, abschütteln, und das Spiel gegen den Topfavoriten, gegen den man überhaupt nichts zu verlieren hat, genießen. Nebenbei könnte man den Fans noch zeigen, was die wahren TTF leisten können und nicht die Truppe vom Bergneustadt-Spiel, bei der – mit einer Ausnahme – nicht viel zusammen lief. Fokussiert aber locker sein und schauen, ob es vielleicht gelingt, sich in einen kleinen Rausch hineinzuspielen. Zugegeben eher eine kleine Chance, aber doch immerhin ein möglicher Weg. Keiner wird Simon Gauzy und Kollegen einen Vorwurf machen, wenn sie gegen die „Übermannschaft“ der TTBL alles hineinwerfen und am Ende vielleicht knapp scheitern. Wie gesagt, zumindest in der aktuellen Situation haben sie nichts zu verlieren, können aber eine Menge gewinnen und sich auch das für die nachfolgenden Aufgaben und den weiteren Kampf um die Play-off-Plätze so wichtige Selbstvertrauen zurückholen.

Freuen wir uns einfach auf ein schönes, hochklassiges und möglichst spannendes Spiel mit tollen Ballwechseln, bei dem auch die vielen Tischtennisfans in der Halle und am Livestream voll auf ihre Kosten kommen!

„Alles geben, was möglich ist“: Ochsenhauser Stimmen vor der Begegnung

Fu Yong sagt vor dem Klassiker, der den Fans im Lauf der Jahre und Jahrzehnte schon viele sehenswerte Duelle, nicht wenige davon auf Augenhöhe und manche zugunsten der TTF, beschert hat: „Das Spiel gestern war natürlich etwas ernüchternd, die Jungs sind ohne Frage nicht alle in Topform, auch weil sie viele Reisen hatten. Und nun müssen sie zweimal in kürzester Zeit spielen.“ Doch es gelte nun, nach vorne zu schauen und wieder anzugreifen. „Nichtsdestotrotz ist es im Kampf um die Play-offs einfach elementar, dass wir punkten, wenn immer es möglich ist“, so der Cheftrainer. „Wir sind uns alle bewusst, dass es gegen Düsseldorf ein sehr, sehr schwieriges Spiel wird, sie sind nicht grundlos Tabellenführer und mit ihrer Besetzung vermutlich auch die beste Mannschaft in der Liga. Dennoch werden wir uns heute nochmal gewissenhaft auf dieses Spiel vorbereiten und dann am Freitag alles geben, was möglich ist.“

Kristijan Pejinovic meint: „Es ist eher eine Kür als eine Pflicht. Wir haben keinen Druck. Wir dürfen uns nicht davon täuschen lassen, dass die Düsseldorfer zweimal gegen Grenzau verloren haben. Wir haben gegen Mainz und gestern gegen Bergneustadt verloren und wissen, wie schnell sowas passieren kann.“ Der TTF-Präsident rechnet mit allen Assen der Borussia: „Düsseldorf wird gegen uns sicher in sehr starker Aufstellung spielen, weil sie selbst die Punkte brauchen.“ Pejinovic räumt auch ein: „Speziell unsere Franzosen waren zuletzt ziemlich müde, weil sie dreimal innerhalb von zwei Wochen mit ihrem Nationalteam um die Quali zu den Euros spielen mussten. Mal sehen, ob es ihnen gelingt, die Akkus ganz schnell wieder aufzuladen.“ Er gibt die Devise aus: „Wir freuen uns auf das Spiel, lassen uns einfach mal überraschen und schauen, was möglich ist.“

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