Nichts zu holen beim Rekordmeister

Borussia Düsseldorf – TTF Liebherr Ochsenhausen 3:0 

Durch die fünfte Niederlage in Serie, natürlich hatte man sich auch beim Rekordmeister Borussia Düsseldorf mehr erhofft als eine glatte 0:3-Niederlage, haben die TTF Liebherr Ochsenhausen in der Tischtennis Bundesliga (TTBL) weiter an Boden im Kampf um die Play-off-Plätze verloren. Eigentlich hatte man am Freitagabend in der Landeshauptstadt von NRW den schwachen Auftritt im Heimspiel gegen Fulda-Maberzell fünf Tage zuvor vergessen machen wollen, doch das misslang.

Von den im Vorfeld heftig diskutieren Personalsorgen der Rheinländer, deren Trio erst durch einen negativen PCR-Test ihres Jüngsten, Anton Källberg, am Spieltag selbst komplett wurde, war im ARAG CenterCourt nichts mehr zu spüren. Alle Düsseldorfer spielten in Galaform und auch Källberg (Ligabilanz nun 16:0!) war die vorausgegangene Woche in Quarantäne und entsprechend ohne Training nicht wirklich anzumerken.

Durchwachsenes TTBL-Debüt von Can Akkuzu, dessen Teamkollegen Glück und Selbstvertrauen fehlen

Einen besseren Einstand in der TTBL und im Ochsenhauser Team hätte man Can Akkuzu gewünscht, doch sein Auftaktgegner hatte etwas dagegen. Der DTTB-Nationalspieler Dang Qiu, seit Monaten in Topform (Ligabilanz inzwischen 9:1), war für den 24-jährigen Franzosen zumindest an diesem Abend eine Nummer zu groß. Sein schwer berechenbares Penholder-Spiel tat ein Übriges, sodass Akkuzus Bundesliga-Premiere ohne Erfolgserlebnis endete. „Für Can war das natürlich ein schwieriges Debüt – in Düsseldorf und dann auch noch gegen Dang Qiu. Das erste Spiel ist ohnehin schwer und man ist entsprechend nervös und Qiu hat sehr konsequent gespielt“, wollte TTF-Präsident Kristijan Pejinovic nicht zu hart mit Akkuzu zu Gericht gehen.

Die Hoffnungen ruhten nun auf Simon Gauzy, der sich mit Kristian Karlsson meist heiße Duelle liefert, die er oft auch schon gewonnen hat. Doch diesmal lief es nicht günstig für den 27-Jährigen, der die beiden ersten Durchgänge in der Verlängerung verlor, den dritten hoch gewann, um dann im vierten Satz recht deutlich den Kürzeren zu ziehen. 0:2 – jetzt würde es ganz schwer werden, das war jedem im Ochsenhauser Lager bewusst.

Dem 19-jährigen Samuel Kulczycki fiel nun die nicht gerade dankbare Aufgabe zu, gegen Källberg, der nach seiner Zwangspause auch psychologisch in günstiger Position war und nichts zu verlieren hatte – jeder in Düsseldorf hätte ihm eine Niederlage angesichts der Begleitumstände nachgesehen –, für die Wende zu sorgen und sein Team im Spiel zu halten. Doch auch Kulczycki war zuletzt nicht gerade in Traumform und setzte dies leider fort. Die ersten beiden Sätze gingen schnell vorbei, da blieb der junge Pole ohne jede Chance, danach fand er besser ins Match und schnappte sich den dritten Durchgang, um dann im vierten knapp mit 9:11 das Nachsehen zu haben.

Nicht viel Zeit zum Nachdenken

Das Team bleibt mit nun 14:12 Punkten – eigentlich schwer vorstellbar nach dem Traumstart in die Runde mit 12:0 – vorläufig auf dem sechsten Tabellenplatz, doch die Situation ist durch das glatte 0:3 von Düsseldorf natürlich nicht einfacher geworden. Man muss nach 2:12 Punkten aus den letzten sieben Partien selbstkritisch genug sein, von einer Krise zu sprechen. Und da müssen sich die Schützlinge von Fu Yong nun schnellstmöglich am eigenen Schopf herausziehen, was nur durch Erfolgserlebnisse funktionieren kann.

Viel Zeit, Trübsal zu blasen, ist ohnehin nicht vorhanden. Am kommenden Dienstag steht das schwere, richtungsweisende Heimspiel gegen den Tabellendritten Mühlhausen an und heute in einer Woche muss man beim Ligazweiten und Pokalsieger Saarbrücken an den Tisch, der zurzeit ebenso stark ist wie die Düsseldorfer Borussen. Bis Mitte Februar duelliert man sich dann noch zu Hause mit dem ASV Grünwettersbach (05.02.) und in fremder Halle mit dem TTC Schwalbe Bergneustadt (13.02.).

Alles richtig hohe Hürden, doch da hilft nun gar nichts außer an den Tisch zu gehen und so gut wie irgend möglich zu spielen, so als hätte es die letzten sieben Partien nie gegeben. Wenn nämlich die kommenden beiden Spiele verloren gehen würden, wären die Play-offs vermutlich in recht weite Ferne gerückt, zumal ja auch die Konkurrenz immer wieder punktet. Gerade gegen Mühlhausen muss eigentlich ein Sieg her, wie auch immer. Und dazu muss auch Simon Gauzy sein Zwischentief überwinden und wieder als Leader vorangehen.

„Wir laufen dem Glück hinter“: Ochsenhauser Stimmen zum Spiel

„Düsseldorf war heute die deutlich stärkere Mannschaft, sie spielen einfach eine tolle Saison“, sagte Gauzy nach der Partie. „Bei uns läuft es derzeit leider nicht so gut. Wir müssen die Köpfe oben halten, schließlich stehen jetzt viele Spiele in kurzer Zeit an.“

„Die Bäume wachsen nicht in den Himmel“, stellte ein ernüchterter Kristijan Pejinovic fest. „Zurzeit ist bei uns aber auch der Wurm drin.“ Der TTF-Präsident präzisiert dies: „Da kann ein Anton Källberg sogar eine Woche in Quarantäne gehen und sprüht trotzdem vor Selbstvertrauen. Und Simon verliert gegen Karlsson die beiden so wichtigen Sätze am Anfang so knapp, da war mehr drin. Der Kampfgeist und der Wille waren heute da, aber das letzte Quäntchen Glück hat gefehlt.“ Pejinovic fügte hinzu: „Mit Anton ist Düsseldorf natürlich ein bärenstarker Gegner. Das 0:3 tut weh, doch es geht weiter und wir stecken mittendrin im Kampf.“ Er analysiert die Problematik: „Im Augenblick merkt man uns das fehlende Selbstvertrauen an, das uns leider im November/Dezember abhanden gekommen ist, und wir laufen dem Glück hinterher. Am Dienstag geht es weiter, also Mund abputzen, sich aufrichten und versuchen, wieder irgendwie in die Spur zu kommen. Anders geht es ja nicht.“

Die Begegnung im Überblick 

Dang Qiu – Can Akkuzu 3:0 (11:9, 11:3, 11:6)

Kristian Karlsson – Simon Gauzy 3:1 (12:10, 12:10, 3:11, 11:6)

Anton Källberg – Samuel Kulczycki 3:1 (11:6, 11:0, 6:11, 11:9)